Die Story vom Pferd
oder: Warum die Trojaner unserer Umwandlung zugestimmt hätten
Stellen Sie sich einmal vor, jemand kommt zu Ihnen und sagt: "Ich will
Dir Geld schenken." Welche Frage würden Sie zuerst stellen? "Und was
hast Du davon?" Oder: "Wo ist der Haken?" Und wenn Ihnen dieser Jemand
dann erzählt, Sie müßten erst einmal investieren, und irgendwann
würden dann vielleicht auch Sie Geld bekommen, würden Sie ihn
nicht als Scharlatan und Bauernfänger bezeichnen und mit einem Tritt
in den Allerwertesten in die Wüste schicken?
Am 06.03.1998 fanden wohl
die meisten der Mitglieder der Stuttgarter Taxigenossenschaft ein Rundschreiben
in ihrem Briefkasten, das ihnen nochmals die Umwandlung unserer Genossenschaft
in eine GmbH & Co. KG schmackhaft machen sollte. Leider lag der Informationsgehalt
dieses Schreibens wieder einmal bei maximal 50%, da vor lauter Euphorie
für die Umwandlung schlicht und ergreifend "vergessen" wurde, auch
auf die Nachteile ein wenig einzugehen. Gleich im ersten Absatz schreibt
der Verfasser, daß das Abstimmungsergebnis mit Sicherheit anders
ausgefallen wäre, wenn man im Vorfeld mehr die Vorteile des Konzepts
erläutert hätte. Das kann ich nun nicht verleugnen. Allerdings
muß ich hier auch gleich dagegenhalten, daß das Ergebnis mit
Sicherheit nochmals anders ausgefallen wäre, wenn man auch im Vorfeld
mal die Nachteile erläutert hätte.
Aber Nachteile gibt es ja laut
diesem Schreiben kaum, und wenn man den letzten Absatz der Schlußbetrachtung
liest und sich an die Empfehlungen hält, die dort aufgeführt
werden, so wird man bestimmt auch keine Nachteile zu hören bekommen:
Man solle sich direkt an ihn wenden oder an einen der Experten, die auf
der Generalversammlung anwesend sein werden.
Nun sollte man allerdings nicht
verschweigen, daß diese Experten mit der Umwandlung unserer Genossenschaft
Geld verdienen. Und das nicht gerade wenig. In keiner Weise möchte
ich hier anzweifeln, daß es sich bei den Experten auch um wirkliche
Experten handelt, aber erlauben Sie mir an dieser Stelle ein kleines Beispiel:
Wenn mich ein Kunde fragt, ob es sinnvoller ist, mit mir in meinem Taxi
nach Hamburg zu fahren, oder vielleicht ein Hotelzimmer zu nehmen und am
nächsten Tag mit der Bahn zu fahren, was glauben Sie, daß ich
ihm da sagen werde? In diesem Fall kann man mich ja auch als Experten bezeichnen,
und weiß Gott, ich würde ihm mit Sicherheit die Taxifahrt schmackhaft
zu machen versuchen und kein Wort über die Vorteile einer Hotelübernachtung
und anschließenden Bahnfahrt verlieren. Wahrscheinlich wüßte
ich in diesem Augenblick nicht einmal, daß es in Stuttgart gute Hotels
gibt. Schließlich, und das muß man mir in diesem Fall zugute
halten, verdiene ich mit dem Taxifahren mein Geld, und was liegt da näher,
als nur über die Vorteile zu reden.
Darüber hinaus wäre in
dem Punkt der Befragungen auch anzumerken, daß wir als freie Bürger
und auch als mündige Genossen die demokratischen Grundrechte nutzen
dürfen. Und dazu gehört nunmal auch, daß wir zum einen
unsere eigene Meinung frei äußern, uns zum anderen aber auch
von allen Seiten umfassend informieren dürfen. Daß unser geschäftsführender
Vorstand behauptet, daß man am Taxiplatz in der Regel nicht die richtigen
Antworten bekommt, wirft bei mir die Frage auf, wer eigentlich das Recht
auf die "richtigen" Antworten erworben hat.
Allerdings kann ich persönlich
versichern, daß auch die Gegner einer Umwandlung sich umfassend informiert
haben. Zum einen bei einem Gespräch im kleinen Kreis in der Taxi-Auto-Zentrale,
bei dem neben dem Vorstand Peter Kristan auch der damalige Aufsichtsratsvorsitzende
Karl-Heinz Danner anwesend war. Zum anderen wurde zu einer Sitzung in der
Gaststätte Pinguin auch (für teures Geld) ein unabhängiger
Experte geladen, der sowohl die Vor- als auch die Nachteile einer Umwandlung
erörterte. Die Vorteile waren dabei dann relativ schnell abzuhandeln,
da sie sich laut diesem Experten hauptsächlich auf die Führungsebene
der GmbH & Co. KG und die passiven Mitglieder, die ja ihr Brot nicht
mehr mit der neu zu gründenden Taxi-Genossenschaft verdienen müssen,
beschränken. Im Grunde blieben für die aktiven Mitglieder nur
Nachteile, die ich weiter unten in direktem Zusammenhang mit Peter Kristans
Rundschreiben einmal näher erläutern möchte. Den Schlußsatz
des Experten möchte ich hier aber noch sinngemäß wiedergeben:
"Wenn Ihr auch weiterhin mit dem Taxi Euer Geld verdienen müßt,
dann laßt bloß die Finger von einer Umwandlung!"
Doch zurück zu dem Rundschreiben von Peter Kristan:
Gleich im ersten Satz wird ordentlich Stimmung gemacht mit der Feststellung,
"eine große Anzahl von Mitgliedern" habe ihn um eine nochmalige Wiederaufnahme
des Umwandlungsgedankens gebeten. Nun sind ca. 150 von 548 Mitgliedern
zwar nicht gerade wenig aber eben auch nur ca. 27 %.
Aber ich will
hier keine Statistiken erstellen, soviel nur als Einwurf zum Emotionsgehalt
des Schreibens.
Nachdem sich die erste Seite in diesem emotionsgeladenem Stil liest,
kommt man dann auf der Mitte der zweiten Seite zum eigentlichen Kern des
Schreibens: Neben ein paar großen Grafiken, die zwar hübsch
anzusehen, aber leider wenig aussagekräftig sind, erfahren wir (schon
wieder), daß die Umwandlung in zwei Schritten vollzogen wird, wobei
für den ersten 75%, im zweiten dann sogar 90% der Genossen zustimmen
müssen.
Nun nehmen wir einmal an, daß wirklich 75% dem ersten
Umwandlungsschritt zustimmen, woran ich allerdings bei der Fülle der
Nachteile nicht so recht glauben will, das Erreichen von 90% für den
zweiten Schritt ist nahezu unmöglich. Somit hätten wir dann lediglich
den ersten Schritt vollzogen, d.h. aus unserer alten Genossenschaft hätten
sich zwei Genossenschaften entwickelt, die uns keinen einzigen Vorteil
bieten, dafür aber schon eine Menge Geld für die Entstehung gekostet
haben. Und um nicht weiterhin auch noch doppelte Kosten zu verursachen,
müßten sie wieder (nochmals für viel Geld) in eine einzige
Genossenschaft zurückgeführt werden.
Doch spinnen wir einmal die
Vision einer tatsächlichen Umwandlung bis zum bitteren Ende weiter.
Nehmen wir wirklich einmal an, es hätten 90% der Mitglieder unserer
Genossenschaft dem zweiten Umwandlungsschritt zugestimmt (glauben Sie daran?),
wir hätten also jetzt eine neue Taxi-Genossenschaft sowie eine Immobilien-GmbH
& Co. KG. Laut Peter Kristans Schreiben entstehen ja für die Führung
beider Betriebe keine zusätzlichen Kosten. Da er sich selbst als Geschäftsführer
der Immobilien-GmbH sieht, sei die Frage erlaubt, wer denn den Vorstand
unserer Zentrale übernimmt? Soll, wie Kollege Danner anläßlich
der oben erwähnten Sitzung in der Taxi-Auto-Zentrale ausdrückte,
dieser Vorstand ehrenamtlich agieren? Da die Geschäfte der Taxi-Genossenschaft
ja wie bislang weiterlaufen müssen, und der heutige geschäftsführende
Vorstand unserer Genossenschaft uns jedes Jahr sehr hohe Lohnkosten verursacht,
würden sich einem doch gleich zwei Fragen aufdrängen:
1. Hätte
ein ehrenamtlicher Vorstand überhaupt Interesse an einer gesunden
Taxi-Zentrale?
2. Kann man diese Aufgabe wirklich ehrenamtlich übernehmen
und hat man nebenher noch Zeit für einen Haupterwerb?
Aus der letzten Frage, sollte man sie denn mit "ja" beantworten, ergäbe
sich folgende logische Schlußfrage: Ist der amtierende Geschäftsführende
überbezahlt?
Aber auch der Vorschlag von Peter Kristan, man könne doch den
Geschäftsführer der GmbH in Personalunion mit dem Vorstand der
Taxi-Genossenschaft stellen, ist schlicht und ergreifend unsinnig. Ansonsten
haben wir in dieser Person einen gewaltigen Interessenskonflikt zu befürchten,
denn wenn z.B. ein Peter Kristan als Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft
die Miete für die Räumlichkeiten der Taxi-Zentrale erhöhen
wollte, würde der Vorstand der Taxi-Genossenschaft Peter Kristan auch
gleich "hurra" rufen, ohne die Rechtmäßigkeit dieses Tuns zu
überprüfen, und letztendlich den UKB für uns konstant zu
halten.
Ebenso verhält es sich natürlich auch mit dem Aufsichtsrat.
Das Problem liegt nun einmal in den verschiedenen Zielsetzungen der beiden
Gesellschaften. Die GmbH will ganz klar Gewinn erwirtschaften, was ja auch
im Interesse der Kommanditisten ist, die Taxi-Genossenschaft soll ihre
Mitglieder fördern und hat hierfür ganz klar auch das Ziel, den
UKB so gering wie möglich zu halten. Beides ist aber leider nicht
miteinander vereinbar, und so sehen wir auch, daß diesem Interessenskonflikt
jeder unterliegt, der sowohl Mitglied der Genossenschaft als auch Kommanditist
ist.
Also benötigen wir auch für die Führung der beiden Betriebe
zwei getrennte Vorstände, was uns, bei Beibehaltung der bisherigen
Lohnkosten des geschäftsführenden Vorstandes, pro Mitglied eine
Mehrbelastung (und damit natürlich UKB-Erhöhung) von ca. DM 500,--
pro Jahr einbringt. Nicht eingerechnet sind hierbei die Aufwandsentschädigungen
für die Aufsichtsratsmitglieder.
Richtig ist in Peter Kristans Rundschreiben
dagegen sicherlich, daß man nur eine Buchhaltungsabteilung benötigt.
Falsch ist aber, daß damit keine weiteren Kosten verbunden sind.
Da die beiden Betriebe rechtlich voneinander getrennt sind, ist demzufolge
auch eine getrennte Buchhaltung notwendig. Der hierdurch verursachte Mehraufwand
(denn zu der Buchhaltung der Taxi-Zentrale, die in nahezu unverändertem
Ausmaß anfällt, kommt nun auch noch die Buchhaltung der GmbH)
ist zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht mit Zahlen zu untermauern, unbestreitbar
ist er aber vorhanden und wird somit zusätzliche Kosten verursachen.
Ein
weiterer Punkt, der uns aktive Mitglieder und Kommanditisten Geld kosten
wird ist, auch wenn Peter Kristan es bestreitet, das Abhalten zweier Generalversammlungen.
Nachdem er schreibt, man könne die Versammlungen ja kürzen, könnte
man fast glauben, er habe noch nie an einer Generalversammlung unserer
Genossenschaft teilgenommen. Wo soll man denn bitteschön kürzen?
Auch weiterhin sind Tagesordnungspunkte wie der Bericht von Vorstand und
Aufsichtsrat, Entlastung derselben, Erläuterung des Jahresabschlusses,
Prüfbericht des Geno-Verbandes sowie Wahlen zwingend vorgeschrieben.
Und da wir in einer neuen Taxi-Genossenschaft auch die heutigen Gestattungsnehmer
aufgenommen hätten, und diese Genossenschaft somit ca. 150 Mitglieder
mehr aufweist als die heutige glaubt doch niemand ernsthaft, daß
bei der großen Anzahl der dann anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer
der Punkt "Verschiedenes" zu kürzen wäre.
Somit bleibt also nur,
die Versammlungen an zwei getrennten Tagen stattfinden zu lassen.
Wirklich goldig finde ich, daß Kristan in diesem Zusammenhang
von "keinem größeren Verlustausfall" schreibt. Nein, einen Ausfall
der Verluste werden wir sicher nicht zu beklagen haben, das einzige was
wir befürchten müssen ist einen weiteren Verdienstausfall.
Kommen
wir nun zu dem Punkt "Auswirkungen der Umwandlung auf den UKB".
Im ersten Absatz dieses Punktes finden wir gleich zwei Bemerkungen,
die einen stutzig werden lassen sollten:
1. Gewinne können ausgeschüttet werden.
2. Verluste werden dem Kommanditisten belastet.
Was heißt das im einzelnen? Eventuelle Gewinne können ausgeschüttet
werden, Sie müssen aber nicht. Wenn beschlossen wird, einen eventuellen
Gewinn den Rücklagen zuzuführen, um damit z.B. renovieren oder
expandieren zu können, so erhalten die Kommanditisten nichts ausbezahlt.
Im Gegenteil: Diese Art der Rücklagenbildung kostet richtig Geld.
Aber nicht die GmbH & Co. KG, sondern jeden einzelnen Kommanditisten,
der dieses Geld versteuern muß als ob er es ausbezahlt bekommen hätte.
Die
vermeintliche Altersversorgung kommt spätestens jetzt einem jeden
Einzelnen komisch vor. Denn statt eine zusätzliche Rente zu erhalten
muß man von seiner eigentlichen Rente jetzt auch noch Steuern für
Gelder bezahlen, die man gar nicht bekommen hat. Verluste aber werden, wie
dem Rundschreiben auch zu entnehmen ist, dem Kommanditisten in voller Höhe
und auf jeden Fall belastet. Wo liegt denn nun die "Sicherung" des Alters?In
diesem Zusammenhang wäre auch zu fragen, wer einem dann später
einen Kommanditanteil abkauft und zu welchem Preis. Bei einer eventuell
vorgeschlagenen Satzungsänderung, nach der die Veräußerung
der heutigen Genossenschaftsanteile möglich werden soll, wird, so
Peter Kristan, wahrscheinlich kein neu anfangender Taxiunternehmer das
Geld für einen Genossenschaftsanteil aufbringen können. Wenn
dem so sein sollte, glaubt dann irgendwer, daß dieser Taxiunternehmer
plötzlich das Geld für einen Kommanditanteil hat? Er braucht
letzteren auch wirklich nicht für seine Berufsausübung,
also wird er auch darauf verzichten. Ein Genossenschaftsanteil an der Taxi-Auto-Zentrale
bringt ihm aber für seinen Beruf wirkliche Vorteile, so daß
er sich mit Sicherheit für dessen Erwerb entschließen wird.
Somit
werden wir also unsere KG-Anteile, von denen wir ja sechs Stück erwerben
dürfen, nur an Spekulanten veräußern können, die diesen
Anteil ebenfalls nicht benötigen, und zudem, durch das voraussichtliche
Überangebot, den Preis für einen Anteil stark drücken und
so mit dem Ankauf einer großen Anzahl von Anteilen letztendlich eine
Stimmenverzerrung in der KG herbeiführen können.
Aber sind wir einmal ganz vorsichtig, und rechnen nur auf die obigen
DM 771,-- noch die DM 500,-- aus der Berechnung des Vorstandsgehaltes hinzu,
so kommen wir schon auf DM 1.271,-- jährliche UKB-Erhöhung, was
monatlich über DM 100,-- zusätzlich, gesamt also fast DM 380,--
für den monatlichen UKB ist. Und wie schon erwähnt: Dieser Betrag
ist ohne weitere Mieterhöhungen und ohne den zusätzlichen Verwaltungsaufwand,
nur aus dem aktuellen Mietpreis und Vorstandsgehalt, gerechnet.
Weiter steht
in dem Rundschreiben zu lesen, daß diese Erhöhung aber durch
die Gewinnausschüttungen bzw. Kapitalgutschriften aufgefangen werde.
Laut eigener Aussage von Peter Kristan hat die heutige Genossenschaft derartig
Schulden, daß mit eine Gewinnausschüttung vor dem Ablauf von
zehn Jahren nicht zu rechnen ist. Das heißt doch für uns im
Klartext, daß jeder von uns in den nächsten zehn Jahren zusätzliche
DM 13.000,-- an UKB , gesamt also DM 37.500,-- bezahlen wird, bevor eine
erste Ausschüttung erfolgen wird. In Anbetracht dieser Zeitspanne
und der damit möglichen Verzinsung des eingesetzten Kapitals muß
die Gewinnausschüttung dann schon gewaltige Ausmaße annehmen,
damit sich dieser Betrag jemals rechnet. Daß sich der Geschäftswert
eines KG-Anteils dann, bei möglichen über 3000(!) Anteilen, auf
einen realen Wert von DM 3.000,-- beziffern läßt, der aber bei
Verkauf aller Voraussicht nach nicht zu erzielen sein dürfte, verbessert
die obige Situation dann auch nicht gerade.
Das heißt letztendlich
doch auch noch, daß jeder, der seine heutigen Chancen(?) beibehalten
und sich nicht übervorteilen lassen möchte, erst einmal weitere
DM 5.000,-- investieren muß, damit er weitere fünf Anteile (insgesamt
kann jeder sechs Anteile halten) zeichnen kann. Interessant wäre in
diesem Zusammenhang dann auch die Antwort auf die Frage, wem denn die DM
2.600.000,--, die durch den Verkauf weiterer Anteile gewonnen werden, zugesprochen
werden? Der Genossenschaft oder der neuen GmbH? Oder ist das jetzt der
Obolus, den wir für ein zu bauendes Parkhaus (laut Planung DM 3.100.000,--)
zu entrichten haben?
Doch unabhängig davon kommen wir in den nächsten
zehn Jahren also schon auf eine Mehrbelastung von DM 18.000,--.
Würden Sie diese DM 18.000,-- heute bei Ihrer Bank auf zehn Jahre
festlegen, dürften Sie über diesen Zeitraum durchaus mit
Zinseinnahmen in Höhe von DM 9.000,-- ohne jedes Risiko rechnen.
Wo liegt aber nun der finanzielle Ertrag bei dem Umwandlungskonzept?
Er ist, wenn überhaupt, letztendlich nur fragmentarisch vorhanden,
es sei denn, Sie gehören der Geschäftsführung der Immobilien-GmbH an oder
heute schon passives Mitglied der Taxi-Genossenschaft.
Lassen Sie uns nun
noch zu einem Punkt kommen, der den meisten von uns wohl mit einem dicken
Fragezeichen schwer im Magen liegt: Unter der Überschrift "Widerspruch
eines Genossen" finden wir, wie es wohl die meisten verstanden haben, eine
gefährlich klingende Drohung, daß wir ja für die Umwandlung
stimmen sollten, ansonsten erhielten wir unseren heutigen Geschäftsanteil
an der Genossenschaft ausbezahlt und wären dann an gar nichts mehr
beteiligt.
Während viele Kollegen schon äußerten hier hätte
Kristan sich unbeholfen und mißverständlich ausgedrückt,
bin ich der Meinung, daß es sich hierbei um eine raffiniert formulierte
Panikmache handelt: Der ganze Abschnitt steht und fällt nämlich
mit der Betrachtung der beiden kleinen Wörtchen "widerspricht". Der
Genosse muß also einer Umwandlung widersprechen. Und "widersprechen"
ist nun einmal etwas anderes als "nicht zustimmen".
Was heißt das? Sie müssen sich nicht irgendwelchen diktatorischen
Zwängen unterwerfen, sondern dürfen auf der Generalversammlung
abstimmen, wie Sie es für sich persönlich, nach umfassender Information
von allen Seiten, für sinnvoll erachten. Das heißt aber auch,
sollte es jemals zu einer Umwandlung kommen, und Sie haben nicht für
eine Umwandlung gestimmt, so können Sie sich immer noch in Ihr Schicksal
fügen und Kommanditist werden. Erst wenn Sie Ihren Widerspruch gegen
die Umwandlung namentlich zu Protokoll gegeben haben, erst dann treten
für Sie die "Rechtsfolgen" ein, die Peter Kristan so schön allgemeingültig
gehalten hat.
Und was hat das Ganze jetzt mit einem Pferd oder Troja zu
tun, wie in der Überschrift zu lesen?
Nun, auch beim trojanischen Pferd der Antike hatten wir eine sehr schöne
Hülle, aber einen etwas bedenklichen Inhalt. Entdecken Sie die Parallelen?
08.04.98 Michael P. Feucht, Taxiunternehmen Stuttgart
leserbriefe
In den letzten Jahren erhitze im Stuttgarter Taxigewerbe vor allem ein Thema die die Gemüter sehr stark: Die geplante Umwandlung der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart e.G. in eine GmbH & CoKg.
- Sicherung des Vermögens der Genossenschaft für die Mitglieder.
- Die Beteiligung als hochverzinste Kapitalanlage.
Gerade die beiden letztgenannten erwiesen sich bei der Generalversammlung vom 1.Juli 98 als Luftblase. Bleibt die Sicherung des Vermögens. Wovor muss das Vermögen gesichert werden? Welche Aktionen hat die Vorstandschaft, genauer Peter Kristan denn vor, wenn er das Vermögen sichern muss? Da man dem Vorstand Peter Kristan allerdings nicht Böses unterstellen will bleibt diese Frage offen. Ausser, dass verhindert werden soll, dass die Genossenschaft langsam aber sicher in die Kontrolle von Ausländern gerät. Anderseits - was spricht dagegen, wenn die überwiegende Mehrheit der Taxiunternehmer und Taxifahrer Stuttgarts mittlerweile gestellt wird von nichtdeutschen Nationen?
Bleibt als letztes nachvollziehbares Motiv die Beteiligung der Kollegen am Genossenschaftsvermögen. Genauer: Jeder Kollege hat mindestens einen Anteil, welcher durch den Immobilienwert irgendwo zwischen derzeit (kalkulierten) 3.800,00 DM bis 14.000 DM liegt. Nun kann ein Mitglied ja bis zu sechs Anteile zeichnen. Das gibt also einen rechnerischen Wert von rd 24.000,00 DM bis im Idealfall 84.000,00 DM Vermögen, welches in Bares umgemünzt werden kann. und zwar bereits nach der Umwandlung der Genossenschaft, so jedenfalls der Eindruck den die Rundschreiben seitens der Vorstandsschaft der Taxizentrale hinterlassen.
Nun behaupten Gerüchte, wohlgemerkt Gerüchte, dass es Kollegen gibt, welche bei mehr oder weniger gewagten Geschäften in Südamerika, Tschechei und Deutschland in finanzielle Probleme gerieten. Diese Gerüchte sprechen von missglückten Konzertgrossveranstaltungen, bankrotten Hotelbetrieben oder Spielbankaffären. Manche haben auch schlicht so Engpässe. Ein vollkommen normaler Vorgang. Für diese Kollegen wäre die Möglichkeitt kurzfristig an Bares in stattlicher Menge zu kommen doch ein grosser Anreiz für die Umwandlung.
Auf der Generalversammlung im Juli 1998 allerdings kamen nun ja vor allem die Gefahren der geplanten Umwandlung zu Vorschein und auch die mittelfristigen und vor allem langristigen Kosten für die weiterhin aktiven Kollegen. Diese Risiken und Gefahren und Kosten liesen bereits auf der Generalversammlung das Stimmungsbild deutlich gegen die Umwandlung werden. Und genau da schlug Kollege Benesh, welcher selber nicht mehr aktives Mitglied ist vor, dass man doch einen Teil des Immobilienvermögens der neuen Funk e.G. lassen solle und wenigstens den Rest zur Umwandlung führen. So hätten beide Parteien etwas: Die einen eine neue Funk e.G. mit etwas Immobilienvermögen, die anderen das Vermögen, das durch die Umwandlung erzielbar ist. Er erweckte alleine durch die Art wie er diesen "Kompromis" vortrug den Eindruck: Retten was zu Retten ist. Wenn nun an den Gerüchten wie an allen Gerüchten immer nur ein Körnchen Wahrheit ist, so lässt dieser "Kompromiss"vorschlag die geplante Umwandlung der Genossenschaft doch wieder in dem Licht erscheinen, das bereits der erste Vorschlag zur Umwandlung aufdrängte: Den Versuch, das Vermögen der Genossenschaft in die Hände einiger weniger überzuführen. Und das widerum lässt die hektischen Agitationen und wechselhaften, aber dafür schwammigen Versprechungen, was die genaue Struktur der GmbH &CoKg betrifft in anderem Licht erscheinen. Dann waren die Schwaben eben doch gescheiter und weitsichtiger mit der Ablehnung der Umwandlung, als es die Berliner Kollegen sich jemals hätten vorstellen können.
Alex. Bierig, Taxi 531, Stuttgart, FRG